01/05/2010

Von den Vögeln lernen

   Sobald der Tag anbricht, bauen die zwei Arbeiter an ihrem kleinen Haus weiter, dort oben, auf der Spitze vom Strommast. „João-de-barro“ (auf Deutsch „Rosttöpfer“ genannt) heißen diese Architekten der Natur und sie werden sehr bewundert, wo immer sie auftreten. Das hängt mit ihrer Fertigkeit zusammen, ihr „Haus“ aus Lehm und Pflanzenfasern zu konstruieren. Dabei helfen beide Elternteile mit. Jeder Vogel muss etwa 1.500 Stücke Lehm holen, bis das Nest in zwanzig Tagen fertiggestellt ist. Trotzdem scheinen sie von ihrer Arbeit nicht müde zu sein. Ganz im Gegenteil! Immer wieder fangen sie mit ihrem hellen Gesang an, der fast wie ein lautes Lachen klingt. Manchmal legen sie eine Pause ein, aber nur bis der Lehm von der Sonne steinhart getrocknet ist. Dann arbeiten sie weiter, mit Geduld und Geschick. Der Innenraum des Nestes wird noch mit Federn und Gras ausgelegt, bevor das Weibchen die Eier legt. So eine fertige „Wohnung“ hält bis zu drei Jahren. Trotzdem bauen die Vogeleltern jedes Jahr ein neues Nest, manchmal genau über dem Alten. Wenn eines leer steht, ziehen andere Vogelarten oder Insekten ein – und diese freuen sich über ein so stabiles Zuhause, ohne viel arbeiten zu müssen.
   Das Arbeiten gehört auch zum menschlichen Leben. Es ist immer viel zu tun und man will noch so vieles schaffen! Es gibt auch Schulden zu bezahlen und so viele Sachen, die man noch besitzen will. Manchmal versucht man, durch Arbeit seiner Umwelt zu beweisen, wie fleißig man ist. Außerdem muss für die Zukunft gespart werden – man weiß ja nie, was Morgen auf einen zukommt … Deswegen ist der Mensch immer so beschäftigt und es bleibt immer weniger Zeit für sich selbst, für Freunde, Familie, Nachbarn oder die Gemeinde. Und auch wenig Zeit für Gott. Muss das so sein?
   Jesus sagt: „Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, womit werden wir uns kleiden? Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr des alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.“
   Dann sehe ich diesen beiden Vögeln bei ihrem Nestbau zu. Sie gehen ihrer „Arbeit“ nach und scheinen sich keine Sorgen zu machen. Sie beklagen sich nicht, sondern handeln – und viel mehr noch: Sie singen dabei! Schon wieder kann ich von der Schöpfung Gottes was lernen.
   Die Liebe Gottes befreit uns von überflüssigen Lasten und Pflichten und lädt uns dazu ein, ihm zu vertrauen. So müssen wir diese Liebe nicht durch unsere Werke erst noch verdienen. Gott kennt unsere Nöte und sorgt für uns. Wer dieses Vertrauen hat, der betrachtet die Arbeit nicht als eine Last, sondern als ein Segen, als eine Gelegenheit, Gott und dem Nächsten dadurch zu dienen – egal wo er sich befindet und wozu er von Gott berufen wurde.


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