Jornal Evangélico Luterano

Ano 2016 | número 794

Sábado, 19 de Setembro de 2020

Porto Alegre / RS - 05:32

Deutsche Seite - Teólogo Jaime Jung

Seid geduldig!

   Wenn ich mit dem Bus fahre, beobachte ich gerne die Menschen um mich herum. Dadurch fallen mir immer wieder interessante Situationen auf. Während meiner heutigen Reise sitzt eine ältere Dame in meiner Nähe. Ich vermute, sie ist längst über siebzig Jahre alt. Ihre grauen Haare und die blauen Augen verleihen ihr ein freundliches Gesicht.

   Nachdem der Bus an einer Haltestelle stoppt, steigen mehrere Schulkinder ein. Zwei nehmen neben der älteren Frau Platz. Ich nehme an, dass sie Geschwister sind. Die Schwester ist so um die zehn Jahre alt, der Bruder vielleicht acht. Plötzlich merkt der Junge, dass der Schnürsenkel von seinem Schuh offen ist. Er fragt seine große Schwester: „Kannst du mir meinen Schnürsenkel binden?“. Ich nehme an, er kann das noch nicht allein. Die Schwester beugt sich vor ihn, zieht den Schuh ihres Bruders aus und stellt ihn auf ihren Schoβ. Dann sagt sie ihm: „Es ist Zeit, dass du es selber lernst. Schau mal, ich zeige es dir“. Dann fängt sie langsam an, die Schnur zu einer Schleife zu binden. Dabei erklärt sie wo und wie die Schnürsenkel geführt werden müssen. Der Bruder schaut jeder Fingerbewegung der Schwester zu. Danach löst sie die Schnur und legt den Schuh auf den Schoß ihres Bruders: „So, jetzt bist du dran. Versuch, ihn allein zu binden.“ Die ältere Frau schaut den Kindern zu, sie grinst und ihre Augen leuchten.

„Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte gewinnt.“ (Sprüche 16:32)

    Der Junge versucht die Schleife allein hinzukriegen: ein, zwei, drei Mal, aber es gelingt ihm nicht. Die Schwester zeigt es ihm noch mal. Die ältere Frau hat ein breites Lächeln im Gesicht. Auf einmal sagt die Dame zu dem Jungen: „Schön machst du das. Weiter so!“ Ich nehme an, sie weiß, dass alles im Leben seine Zeit hat. Sie hat im Laufe der Jahre gelernt, dass der Mensch Geduld mit sich selbst und mit den anderen braucht. Schon die biblischen Sprüche Salomos weisen darauf hin: „Wer geduldig ist, der ist weise“.

   Jetzt schauen auch die anderen Fahrgäste zu. Der Junge versucht es noch mal. „Er schafft es gleich“, denke ich. Zu meiner Überraschung geht plötzlich eine jüngere Frau zu dem Jungen. Sie nimmt ihm grob die Schnur aus den Fingern, bindet selber die Schleife und fügt hinzu: „So musst du es machen! Du bist mir zu langsam!“ Der Junge ist erschrocken. Die junge Frau hat einfach keine Geduld und will das Ergebnis sofort sehen. Die ältere Dame dagegen schüttelt nur den Kopf. An der nächsten Haltestelle steigen die Geschwister aus.

   Die Reise geht für mich weiter und ich denke über das Verhältnis der Kinder nach, über die Ungeduld der jungen Frau und über die Geduld der älteren Dame. Jüngere und Ältere brauchen Geduld miteinander. Glück l i c h s i n d die Kinder, die von geduldigen Omas und Opas begleitet werden. Glücklich sind Großeltern, die sich die Zeit nehmen, mit ihren Enkelkindern zu spielen, Lieder zu singen oder ihnen ein Tischgebet beizubringen. Wo eine Oma oder ein Opa seinem Enkelkind beibringt, wie man den eigenen Schnürsenkel bindet, da entstehen gewiss Bänder für das ganze Leben.

   Ja, Ältere und Jüngere können mit etwas Geduld voneinander lernen. Rainer Heimburger schreibt dazu: „Ich war ja nie ein geduldiger Mensch. Aber seit meinem Ruhestand ist da so etwas wie Gelassenheit und Geduld herangewachsen und hat Früchte getragen. Gelassenheit hat ja etwas mit Loslassen zu tun. Was ich, offen gestanden, nie so gut konnte. Aber auf einmal ging das, das Loslassen: Aufgaben und Ämter Jüngeren überlassen, auch wenn die es scheinbar noch nicht so gut können. Und ich staune, wie ich manchmal Jüngere Fehler machen sehe und nicht wie früher sofort korrigieren will, sondern daran denke, dass ich die gleichen Fehler früher auch gemacht habe.“

Lieber Gott,
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei,
das hast du, unser Schöpfer, gnädig beschlossen.
Wir danken dir für alle, die du uns zur Seite gestellt hast;
wir danken dir für die aus unserer Familie,
die uns von Anfang an mit Liebe und Verständnis
begleitet haben;
wir danken dir für unsere Freundinnen
und Freunde und für alle,
die uns mit Aufmerksamkeit und Achtung begegnen.
Bewahre uns solche Weggefährten;
segne alle Freundschaft und erhalte die Liebe
unter den Menschen.
Wir bitten auch für die,
die wir bisher übersehen haben,
die wir mit unserer Gleichgültigkeit ausgegrenzt haben,
die allein und verlassen leben:
Lass auch sie ihren Platz finden und erfahren,
dass da, wo dein Geist herrscht, der Hunger nach
Leben gestillt wird.
Lass uns geduldig sein und lernen, einander zu ergänzen
und uns gegenseitig stark zu machen. Amen.

   „Freut euch auf alles, was Gott für euch bereithält. Seid geduldig, wenn ihr schwere Zeiten durchmacht, und hört niemals auf zu beten.“ (Römerbrief 12:12)

 

Pfarrer
Jaime Jung

 

 

 

 

 

 

 

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